Hamburg, 23.01.2009: Die Finanzkrise ist in aller Munde, vor allem die Krise der Automobilbranche macht Vielen Sorge. Doch nicht nur der vom Mutterkonzern GM belastete Hersteller Opel hat derzeit ein großes Problem, auch der Vorzeigekonzern BMW kämpft mit der schwierigen Situation.
Laut eines Sprechers des AKA (Arbeitskreis Autobanken) kaufen heutzutage fast 80% der Menschen ihr Auto auf Pump. Entweder über Finanzierungen oder über Leasing. Bei Premiumherstellern wie BMW geht diese Quote beinahe gegen 100% - und das bringt die Probleme.
Wenn der Leasingvertrag nach zwei oder drei Jahren ausläuft nimmt die Autobank das Fahrzeug zum kalkulierten Restwert zurück und verkauft es dafür weiter. So sollte es zumindest sein, denn in Zeiten der Absatzschwierigkeiten und Rabattschlachten wurden die Raten immer niedriger, die Anzahlungen immer geringer und damit die zu erzielenden Restwerte immer größer. Doch nach Ende des Vertrages hatten die Herstellerbanken jede Menge Autos auf dem Hof, deren vorher kalkulierter Restwert deutlich über dem Marktpreis lag. Die Folge: man musste die Autos billiger verkaufen und machte Verlust. Für eine kurze Zeit mag das kein Problem sein, gerade für einen Branchenriesen wie BMW, doch wenn dann auch noch auf Grund der aktuellen Wirtschaftslage auch der Gebrauchtwagenmarkt einbricht, dann fällt das Leasing-Restwert-Kartenhaus in sich zusammen.
BMW musste zur Wertberichtigung der nicht erzielten Restwerte in 2008 über eine Milliarde Euro an Rückstellungen bereitstellen und die Frage ist, ob diese Summe überhaupt ausreicht. Doch nicht nur das, um den Privatverkauf zu fördern verkauft BMW seine Modelle bei einer Finanzierung mit 4.99% Zins. Was für den Kunden günstig ist kommt der BMW AG teuer, denn sie gab jüngst eine Anleihe im Wert von 1.5 Milliarden Euro aus, die sie mit 6.375% verzinst. BMW leiht sich aktuell also teurer Geld, als man es den Kunden selbst weiter gibt.
Das Ergebnis sind ein auf fast 53 Millarden Euro gewachsener Schuldenberg (Stand inkl. September 2008), was nicht nur in etwa dem Gesamtumsatz in 2007 entspricht, sondern drastischer formuliert dem 14-fachen Gewinn. Nun ist klar, was EU-Kommissar Günter Verheugen damit meint, wenn er von „keiner Garantie, dass alle wichtigen europäischen Produzenten überleben“ spricht. Für BMW ist die Lage also wirklich ernst und vielleicht sollten auch die Münchner den Sprung in das staatliche Rettungstuch wagen. Mit Hilfe der Staatsbürgschaften könnte man zumindest die Refinanzierung deutlich günstiger gestalten, dann bliebe mehr Luft um an den anderen Brandherden zu löschen.
Die Krise ist also doch weitreichender als gedacht, vor allem aber weitreichender, als uns manche Hersteller glauben machen. Vielleicht ist es aber auch eine große Chance für den Automobilmarkt, dass er sich gesundschrumpft und nicht mehr nur Absatzrekord nach Absatzrekord ausweist, ohne dass diese Zahlen in irgendeinem Verhältnis zu den realen Marktverhältnissen stehen.
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