"Anton"
Max
Reifenplatzer bei 359 Sachen



Hamburg, 20.07.2009: "An einem frühen Morgen machte ich mich auf den Weg. Wohin? Natürlich zur Nordschleife, denn wo will man sonst mit einem GT2 hinfahren? Zum Einkaufen??? Freund eingeladen und um kurz nach vier Uhr morgens auf den Weg gemacht. Mit Topspeed! Schließlich gehörte die ganze Autobahn uns allein. Kann es nicht immer so sein?! Mein Wagen, ein modifizierter, deutlich abgespeckter Porsche 996 GT2 mit über 600 PS, donnert stoisch mit angezeigten 9 km/h gemäß Digitaltacho und ähnlicher Anzeige im analogen Instrument über die Bahn. Wie, 9 km/h? Ganz einfach: Bei Überschreitung der Geschwindigkeitsmarke von 350 km/h fällt im analogen Instrument die Nadel erst einmal zurück auf „null“. Gleiches Spiel bei der Digitalanzeige. Auch Rechen-Legasthenikern dürfte aufgefallen sein, dass ich also mit 359 km/h unterwegs war.

Bei diesem Tempo fühlte es sich plötzlich so an, als hebe der Wagen an der Hinterachse ab und verliere jenen Grip. So ungefähr muss es sich anfühlen, wenn der Heckflügel abbricht und keinerlei Abtrieb mehr an der Hinterachse vorhanden ist. Doch weit gefehlt. Reifenschaden hinten links. Und das bei Topspeed! Na, Mahlzeit. Der nagelneue Reifen ist geplatzt und hat sich auf „links“ komplett in die Felge gezogen. Platz genug ist zwischen Bremsscheibe und Bremssattel allemal. Außerdem sind die 315/18-Zöller ohnehin ein eher schmales Format.

Nach dem Platzer zog der GT2 auf die ganz rechte Spur, drehte sich um 180 Grad und schlug dann heftig in der Mittelleitplanke ein. Die ganze Dreh- und Vortriebsenergie schoss so in die Planke und hat sie auch einer recht beachtlichen Länge verformt. Bitte nicht fragen was einem in so einem Moment durch den Kopf geht, denn faktisch hat man mit seinem Leben einfach abgeschlossen. Dann macht man seine Augen wieder auf und keine hübschen Englein halten einen im Arm. Schwein gehabt. Blick rüber zum Kumpel auch dort alles tuti. Blick aus der Windschutzscheibe. „Oh je, wir stehen auf der linken Fahrspur und schauen in den rückwärtigen Verkehr, wo zum Glück um diese Uhrzeit noch keiner ist. Kurz entschlossen probiere ich, den Wagen zu starten, was auch klappt. Also Fuß aufs Gas, 180-Grad-Turn gemacht und rüber auf die rechte Spur.

Polizei informiert! Obligatorische Frage nach der Geschwindigkeit wurde mit 150 km/h angegeben. Die langen Kampfspuren verrieten mehr, allerdings wurde aufgrund fehlender Personenschäden oder großer Fremdschäden und unter Hinblick auf den Eigenschaden keine Vermessung durchgeführt und die Angelegenheit hat sich kurzerhand erledigt. Es gibt eben auch noch nette Menschen auf dieser Welt. Und hier sei damit noch einmal die Polizei im positiven Sinne erwähnt. Der Reifenhersteller war sehr an dem Auto und allen Werten wie Sturz etc. interessiert, um nachher aber lediglich zu Protokoll zu geben, dass sich wohl der Reifenluftdruck um 0,1 bar abgesenkt haben musste und das bei Höchstbelastung zum Platzen geführt haben musste. Ein Fehlen der Ventilkappendichtring (Ja, richtig gelesen) sei die Ursache für den Druckabfall.

Was lerne ich daraus: Künftig wird auch in einem gewichtsoptimierten GT2 ein Reifendruck-Kontrollsystem eingebaut, damit so etwas nie wieder passiert. Denn nochmal sind sicherlich nicht alle Schutzengel der Welt an einem Ort versammelt und stehen mir bei. Zum Glück war das an dem besagten Tage der Fall. Nichts desto trotz war natürlich die Devise „nächstes Auto her und ab zum Nürburgring“, denn da war doch ein Termin. Und diesmal hielten die Reifen. Ging im F430 Spider aber auch mit maximal 310 Sachen Richtung Ring."

Text und Bild: "Anton"

 

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