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Hamburg,
14.08.2009:
„Seht ihr die
schwarzen Streifen, die von den Curbs auf der linken Seite nach rechts
weggehen? Und die ausgebesserte Planke? Tja, es klingt merkwürdig, aber wer
hier zu schnell über die Curbs räubert und sich den Wagen ausheben lässt,
der schießt ins Kurveninnere, nicht etwa in die äußere Planke. Und das tut
verdammt weh. Also an dieser Stelle mit Bedacht räubern.“ Diese Worte kommen
aus dem kleinem Mann im Ohr und werden gesprochen von Andreas „Andy“ Gülden,
der mit dem Walkie Talkie in der Hand am Steuer seines Aston Martin V8
Vantage N24 die Meute aus A-Lizenz-Anwärtern über die Sektion der
Nürburgring GP-Strecke führt.
Doch
fangen wir von vorne an: An einem wundervoll sonnigen Mittwochmorgen reihe
ich meinen
Opel Astra OPC Race Camp (240 PS, 6,4 sek.
auf 100 km/h, 244 km/h) bei den Wagen der anderen Kursteilnehmer ein und
stehe dann zusammen mit einem Dutzend Aspiranten vor einem Raum der
Motorsport Akademie am Nürburgring. Wir
warten auf den Leiter der „Rennfahrerausbildung
GP-Strecke mit A-Lizenzqualifikation“.
Christopher Bartz, Leiter der Motorsport Akademie,
himself übernimmt den Theorieteil am Vormittag. Rund zweieinhalb Stunden
gibt’s alles Wissenswerte zu Sicherheitsbestimmungen, Flaggenkunde und
Abläufen vor, während und nach einem Rennen. Wie funktioniert ein stehender
Start, wie ein fliegender, was macht man, wenn das Safetycar auf die Strecke
kommt …. Die über zwei Stunden Theorieteil haben es in sich, machen aber
Riesenspaß und der anschließende, schriftliche Test stellt auch keine
unüberwindbare Hürde dar.
Nachdem
der Ankreuztest erledigt ist, kann man die Vorfreude aufs anschließende
Fahren förmlich spüren. Doch erstmal gibt’s Mittach in Box zwölf. Die Jungs
und Mädels von der Motorsport Akademie haben einen Formel-Renner, zwei
Langstreckenwagen und einen Audi R8 in die Box gerollt und durch das offene
Tor strömt aus der dahinter liegenden Boxengasse noch mehr Rennatmosphäre in
die Zwölf. Nachdem für das leibliche Wohl gesorgt ist, scharen sich die drei
Gruppen (Anfänger, Fortgeschrittene, Routinierte) um ihre Instruktoren. Ich
lausche von nun an den Worten von Andy Gülden und bekomme zu erst eine
Funkausrüstung verpasst. Nach einige einführenden Worten und dem allgemeinen
DU geht’s zum Sektionstraining.
Zunächst
zieht Andy in seinem ultrageilen Aston Martin Vantage V8 den Lämmerschwanz
aus fünf Wagen drei Mal über die komplette Sprintstrecke des GP-Kurses und
erklärt über Funk kurz die einzelnen Sektionen und nennt die Namen der
Kurven. Dann widmen wir uns über drei Stunden lang den einzelnen Sektionen.
In drei Abschnitte unterteilt lässt sich die 3,1 Kilometer lange Strecke
wesentlich besser erfassen. Mindestens siebenmal absolvieren die einzelnen
Sektionen, bekommen sie zuerst erklärt, fahren dann im Wechsel hinter Andy
her und im Anschluss begutachtet der Profi das Erlernte von neben der
Strecke. Vor allem die Art und Weise, mit der Andy einem die Tricks und
Kniffe des Kurses näher bringt, begeistern. Alle Fahrer hängen ich an den
Lippen oder schauen ihm bei Stopps auf die Hände. „Wenn du da drüben zu
schnell ankommst, dann hebt es dich da einfach aus (untermauert von eine
überaus eindruckvollen Geste). Und außerdem: Manchmal ist es besser, die
erste Kurve etwas langsamer anzugehen, wenn man dafür am Ende der folgenden
besser rausbeschleunigen kann.“
Um
etwa 16.30 Uhr ist das Sektionstraining beendet und nach einer kurzen
Kaffepause geht’s wieder rauf auf die Strecke. Geübt werden jetzt
Startaufstellung, Einführungsrunde, Start, Umsetzen der Flaggenkunde und
Fahren auf der gelernten Ideallinie. Alles wird von den Instruktoren penibel
beobachtet und benotet. Um etwa 17.40 Uhr ist auch dieser Part abgehakt und
es geht ans freie Fahren. Jetzt können alle auf die Strecke. Und so tummeln
sich neben meinem freundlicherweise von Opel bereitgestellten
Astra OPC Race Camp auch ein neuen
BMW Z4 mit 306 PS, ein BMW 46er
Diesel-Coupé, ein alter Porsche 911er, ein Mazda MX-5 und diverse weitere
Wagen verschiedenster Couleur auf der Piste.
Viel
zu schnell ist mein Tank leer und muss außerdem die Strecke wieder geräumt
werden. Trotzdem: Ich hätte niemals gedacht, dass ich so lange tatsächlich
zum Fahren komme. Stundenlang bin ich über die 3,1 Kilometer in der Eifel
gedonnert, habe die Ideallinie gesucht – teilweise auch gefunden – und habe
großes Vertrauen in den 240 PS starken Astra unterm Arsch gewonnen. Trotz
extremer Beanspruchung der Bremsen, konnte ich bis zur letzten Runde aufs
Ganze gehen und selbst den deutlich stärker motorisierten Z4 ärgern. Dass
kann natürlich auch an meinem etwas aggressiveren Fahrstil gelegen haben.
Am
Ende des Tages steht die Aushändigung des Zertifikats. „Jan Kriebel hat am
DMSB-anerkannten Lehrgang L62/09
Rennfahrerausbildung GP-Strecke mit A-Lizenzqualifikation der Motorsport
Akademie Nürburgring erfolgreich teilgenommen“ steht da. Und nun kann ich
endlich meine A-Lizenz beantragen. Dafür einfach kurz zum Arzt und einen
Gesundheitscheck machen lassen, 176 Euro an den DMSB (Deutscher Motorsport
Bund) überweisen, ein Bild beilegen und fertig ist der Lack.
Lust bekommen auf einen vollgestopften Abenteuer-Tag in der Eifel? Dann
schnell Buchen. Am 25.08. ist der nächste Kurs und am 21.09. sind ebenfalls
noch Plätze frei. Der Tag kostet 695 Euro und ist jeden Cent wert. Was jetzt
noch fehlt, ist die „Rennfahrerausbildung Nordschleife“. Am 14.09. ist der
nächstmögliche Termin und die knapp 900 Euro die dafür fällig werden, sind
garantiert gut angelegtes Geld.
Technische Daten:
Modell: Opel Astra OPC
Race Camp
Motor: Vier Zylinder
Benzin, 1998 ccm
Leistung: 240 PS
Drehmoment: 320 Nm
Antrieb: Front, Sechsgang
manuell
Verbrauch: 9,2L/100 Km
Super
0-100 km/h: 6,4 Sekunden
Vmax: 244 km/h
Preis: ab 27.990 Euro
Text: Jan
Pics: Tim |