Hamburg, 12.03.2009: Nein, der Insignia ist nicht der Nachfolger des Vectra. Dieses Statement ist den Opelanern sehr wichtig. Immerhin möchten sie mit der "kleinstmögliche Limousine der automobilen Oberklasse" gänzlich neue Wege einschlagen. Wir sind mit dem Insignia 2.8 V6 Turbo Ecotec mit Sechs-Stufen-Automatik und Allradantrieb nach Genf zur Messe gefahren und haben der kleinen Limo auf den Zahn gefühlt.
Schon die Typenbezeichnung lässt erkennen, dass wir bei der Auswahl unseres Insignia den Bereich der Schnäppchen verlassen haben. In der besten Ausstattungsvarianten namens „Cosmo“ kostet der ab 41.435 Euro, bietet für diesen Basispreis aber auch schon eine Menge üblicherweise aufpreispflichtiges Zubehör wie eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Komfortsitze, die Radio-DVD- 800 Navi und den automatisch zuschaltenden Allradantrieb.
Ebenfalls im Cosmo-Preis steckt das Adaptive Fahrlicht, das bei den anderen Ausstattungsvarianten „Selection“ und „Edition“ 1250 Euro Aufpreis kostet. Dieses Bi-Xenon-Scheinwerfersystem stellt automatisch das richtige Licht für den Stadtverkehr und die Fahrt auf Landstraßen oder der Autobahn ein. Auch die Funktionen Abbiegelicht und Kurvenlicht gehören dazu, ebenso der Fernlichtassistent, der immer dann selbsttätig von Fahrlicht auf Fernlicht umschaltet, wenn die Straße frei ist. In der Praxis wundert man sich, wie oft Fernlicht tatsächlich eingeschaltet werden kann, ohne jemanden zu blenden. Im Nachhinein fragt man sich schuldbewusst, warum man selbst das Fernlicht nicht bisher schon intensiver genutzt hat und freut sich an der tollen Automatikfunktion.
Die Freude an diesem Opel beschränkt sich aber wahrlich nicht nur aufs Beobachten der Licht-Automatik. Dafür sorgt schon der V6-Motor mit stolzen 260 PS bei 5500 (U/min) und einem maximalen Drehmoment von 350 Newtonmetern zwischen 1900 und 4500 U/min. In 7,1 Sekunden erreicht unser Insignia die 100-km/h-Marke und wird bei 250 km/ abgeregelt (warum auch immer). Dafür genehmigt er sich im Schnitt 11,6 Liter Super auf 100 Kilometer. Unser Verbrauch in der Praxis lag nur unwesentlich höher (ca. zwölf Liter).
Natürlich bestimmt der eigene Fahrstil, auf welchem Niveau sich der Kraftstoffverbrauch einpendelt. Darf’s mal ein bisschen mehr sein, bietet der Insignia mit der Spaß-Taste die besten Voraussetzungen. Schaltet man mit ihr von „Tour“ auf „Sport“ um, wechselt nicht nur die Farbe der Instrumentenskalen von Weiß auf Rot, der ganze Insignia ändert seinen Charakter, schaltet einen Gang runter, reagiert spontaner aufs Gas, dreht die Gänge höher als und gibt so dem Hang zu sportlicher Gangart nach.
Unser Verbrauchswert „outet“ uns möglicherweise als Fans der „Tour“-Taste. Denn auf langen Strecken fanden wir diese Einstellung angenehm und keineswegs als eine nennenswerte Einschränkung der Agilität dieser immerhin mehr als 1,5 Tonnen schweren, 4,83 Meter langen Limousine. Allerdings wünschte man sich bei schnellen Autobahnfahrten ein niedrigeres Geräuschniveau. Da kann Opel noch nachbessern, um seinem Anspruch gerecht zu werden.
Fahrer und Beifahrer fühlen sich angesichts der Innenraumgestaltung gut aufgehoben. Das gilt nicht nur für die Funktionen, sondern auch für das Ambiente, die Materialien und die Verarbeitung. Hier macht sich Premium-Atmosphäre breit. Hinten finden die Passagiere ausreichend Beinfreiheit. Nur Sitzriesen haben es dort schwer mit der coupéähnlich abfallenden Dachlinie.
Das Gepäck muss bei der viertürigen Limousine über eine recht hohe Ladekante in den 500 Liter großen Kofferraum gewuchtet werden, der wegen des Allradantriebs nicht völlig eben ausfällt. Die abgerundete Form des Kofferraumdeckels ist auch nicht eben förderlich, weil sie das Beladen mit sperrigeren Gütern erschwert. Die 500 Kilogramm Zuladung fallen für ein Auto dieser Klasse nicht gerade üppig aus.
Kopffreiheit hinten, die Ladekante sowie Größe und Form der Beladeöffnung – diese Probleme löst der 4,91 Meter lange Insignia Kombi. Der kostet zwar knapp 2000 Euro mehr als der Viertürer, bietet aber zu allen anderen Vorteilen auch eine um 40 Kilogramm höhere Zuladung.
Mit dem Insignia verbindet sich für Opel die Frage nach dem Schicksal der Marke. Die Rüsselsheimer wollen zeigen, dass sie nichts verlernt haben und immer noch zu den besten Autobauern dieser Welt gehören. Das ist ihnen gelungen. Nun müssen sie noch die Kunden überzeugen und hoffen, dass sich für die Mutter General Motors in den USA oder deren Töchter in Europa positive Lösungen finden lassen. Zu wünschen wär’s. (ar/Sm/jk)
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