Hamburg,
07.08.2009:OPC – wer diese drei
Buchstaben auf dem Opel-Heck vor sich erblickt, der weiß, an diesem
Rüsselsheimer haben sich die Jungs vom „Opel Performance Center“ zu schaffen
gemacht. Im Klartext heißt das meistens, dass dem verbauten Vier- oder
Sechszylinder unter der Haube ein Turbolader mächtig Beine macht. Ob
Corsa,
Astra, Meriva oder Zafira – die OPC-Modelle stehen für die Speerspitzen der
Baureihen. Damit auch der 300 PS starke VW Passat R36 einen würdigen
Blitz-Gegner bekommt, komplettiert im Herbst 2009 der neue Insignia OPC die
Angebotspalette. Angefeuert vom aufgeputschten 2,8-Liter-V6 mit
Turboaufladung, bringt es der als Vier- und Fünftürer sowie als Sportstourer
erhältliche OPC auf 325 PS und 435 Newtonmeter. Um die Power auch auf die
Straße zu bekommen, bekam der Insignia als erstes OPC-Modell sogar einen
Allradantrieb spendiert. Ob diese Zutaten reichen, um die Konkurrenten von
VW, Audi und BMW ordentlich ärgern zu können, musste der Neuling in einem
ersten Kurztest unter Beweis stellen.
Schon beim Näherkommen
gibt sich der stärkste Insignia deutlich und selbstbewusst zu erkennen. Vor
allem die Front macht ordentlich was her, erinnert mit ihren beiden
senkrechten Luftöffnungen sehr eindrucksvoll an die Studie „GTC Concept“ von
2007. Ebenfalls an die Design-Fingerübung erinnert die Optik der
serienmäßigen 19-Zoll-Schmiede-Alus, die dem OPC einen satten Auftritt
verschaffen. Wären die Verantwortlichen etwas mutiger gewesen, hätten sie
dem Flaggschiff der Palette noch ausgestellte Radhäuser spendiert und den
Insignia OPC so noch etwas deutlicher von den optischen Leisetretern Audi S4
und Passat R36 abgegrenzt. Dieses Ziel verfolgt zumindest die Heckpartie
unseres Probanden allerdings recht nachdrücklich: Zwar verstecken sich
hinter den beiden eckigen Endrohrblenden eher mickrige Auspuffrohre, der
stimmige Gesamteindruck des Opel-Hinterteils lässt die bereits erwähnten
Konkurrenten aus Ingolstadt und Wolfsburg trotzdem wie zurückhaltende
Biedermänner erscheinen.
Sattgesehen an der
gefällig auffälligen Außenhaut, wird nun das Cockpit des mindestens 44.900
Euro teuren Rüsselsheimers unter die Lupe genommen. Und da es endlich auf
die Strecke gehen soll, haken wir diesen Punkt im Steno-Stiel ab.
Recaro-Sportsitze in Stoff/Kunstleder: topp, Verarbeitung: topp, Ergonomie:
Bis auf die beim Schalten etwas störende Mittelarmlehne topp, Platzangebot:
topp. Serienausstattung – Sie erahnen es – topp! Wir haben uns im Cockpit
des Insignia OPC sehr wohl gefühlt, mehr Sportlichkeit ist einer kraftvollen
Reiselimousine wohl nicht zu entlocken. Hier können sich ja dann die Tuner
austoben.
Doch wir sind nicht im
Museum – wollen nicht nur schauen, sonder auch anfassen – und so muss der
OPC-Verteter nun zeigen, was er kann. Nach einem Druck auf den Startknopf
erwacht der V6 unter der Haube zum Leben. Akustisch eher bescheiden
zurückhaltend meldet sich das überarbeitete Turbotriebwerk aus dem
abgelösten Vectra OPC zu Wort. Selbst beim beherzten Latsch aufs rechte
Pedal enttäuscht die Resonanz. Die Enttäuschung verflüchtigt sich, wenn der
von Remus beigesteuerte Nachschalldämpfer auf Temperatur gekommen ist und
dann vor allem im niedertourigen Bereich für mächtig Stimmung sorgt. Es
liegt also nicht nur am satten Drehmoment von 435 Newtonmetern, wenn der
Insignia OPC eher schaltfaul bewegt wird.
Wenn „Sport statt
Sound“ das Motto ist und niedrige Drehzahlen nicht erwünscht sind, dann
empfiehlt sich die Wahl des Fahrprogramms „Sport“. Das Fahrwerk wird
straffer, Lenkung und Gasannahme direkter. Reicht nicht? Dann flugs den „OPC-Button“
gedrückt. Bereits erwähnte Änderungen werden noch deutlicher spürbar,
außerdem schaltet die Instrumentenbeleuchtung auf rot. Doch auch ohne die
Lichtspielerei wird der Sprung in den OPC-Modus sehr deutlich. Auf der
Opel-Handlingstrecke lässt es sich nun noch gieriger um die Kurven räubern
und früher wieder herausbeschleunigen. Vor allem der Allradantrieb und die
unkonventionelle, neu entwickelte Vorderachse machen einen sehr guten Job.
Runde für Runde steigert sich das Vertrauen in den Wagen und fast vergisst
man, dass man in einer 1,8 Tonnen schweren Limo sitzt – fast. Stöße gibt das
Fahrwerk jetzt sportlich knackig weiter und selbst ein bei 140 km/h
gefahrener Elchtest kann den Insignia OPC nicht aus der Ruhe bringen. Muss
hier im „Normal-Modus“ eine erfahrene Hand am Steuer für Ordnung sorgen,
geht’s rot illuminiert spielerisch am großen Schweden-Hirsch vorbei. Selbst
bei Nässe soll das Ausweichmanöver laut Opel-Markenbotschafter und
Rennfahrerlegende Joachim „Jockl“ Winkelhock mit immer noch 130 Sachen kein
Problem sein. Respekt.
Weniger Respekt
bringen wir der Motorleistung entgegen. Denn die liegt bei gefühlten 250-280
PS. Entweder der 2,8-Liter-V6 verheimlicht uns was, oder die 100 Kilogramm
Mindergewicht und acht Zusatz-PS im
Audi S4 wiegen schwerer als gedacht.
Fakt ist: Der nominell 325 PS starke Insignia OPC sieht nicht nur auf dem
Papier recht blass aus. Den Standartsprint absolviert der Rüsselsheimer in
glatten 6,0 Sekunden und mit einem Durchschnittsverbrauch von 11,4 Litern
auf 100 Kilometer muss er sich ebenfalls ganz hinten einordnen. Ein Grund
für das schlechte Abschneiden ist sicher die schwierige Einsortierung des
Insignia ins Umfeld. Mit seinen 4,83 Metern Länge ist er auf Augenhöhe mit
dem Fünfer BMW (4,85m), immer noch sechs Zentimeter länger als der Passat
und mit einem Leergewicht von 1810 Kilogramm sogar noch 25 Kilogramm
schwerer als der deutlich größere Audi A6. Tja Opel, was machen wir jetzt
mit dem großen OPC? Ihr macht es euch aber auch wirklich schwer.
Also: Wer den
stärksten Serien-Opel der Geschichte als sportlichen GT sieht – denn genau
das soll er laut Opel sein – und ihn des weiteren etwas neben der
nicht ganz passenden Konkurrenz einordnet, der hat einen absolut gelungenen
Wagen vor sich. Wen die um 0,4 Sekunden bessere Sprintzeit von VW Passat R36
(300 PS, 9.8L/100 km, 46.75 Euro) und BMW 335i (306 PS, 9.1L/100 km, 42.300
Euro) ärgern, dem seien die 30 Zentimeter Mehrlänge des Insignia ins
Gedächtnis gerufen. Und trotzdem: Objektiv fehlen dem ansonsten nahezu
perfekten OPC mindestens 40 PS, um als wirklich sportlich durchzugehen.
Technische Daten: Modell: Opel Insignia OPC Motor: V6-Benziner, 2792
ccm Leistung: 325 PS / 5250
Umin Drehmoment: 435 Newtonmeter Antrieb: Allrad, 6-Gang
manuell, Verbrauch: 11,4L/100Km
Super Plus 0-100 km/h: 6,0 Sekunden Vmax: 250km/h abgeregelt Preis: ab 44.900 EUR
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