Driven: Mercedes CLS 500



Hamburg

Wer einen Mercedes sein Eigen nennt, der hat schon etwas Feines am Start. Dieser deutsche Automobilhersteller suchte nie den Weg ins Extreme, sondern hielt sich stets fest an der Tradition, dem Kunden klassische Eleganz an die Hand zu geben. Im Segment der oberen Mittelklasse lässt Daimler dem Kunden die Qual der Wahl. Dezenter Auftritt in der regulären E-Klasse oder erfrischend im Designer-Anzug als CLS.

Damit hat Mercedes nicht nur seinen Kunden etwas Gutes getan, sondern durch geschicktes Marketing  gleich noch eine neue Autogattung ins Leben gerufen – das viertürige Coupé. Diese Idee war mehr als genial. Einem Coupé verzeiht man nämlich gewisse Fehler zugunsten des Designs, eine normale Limousine muss zuallererst praktisch sein. Mittlerweile hat fast jeder Automobilhersteller der was auf sich hält ein ähnliches Model in der Schublade. Aktuelle Nachahmer-Beispiele sind etwa VW Passat CC, Porsche Panamera und irgendwie auch die SUV Variante BMW X6.

Der CLS kann bedenkenlos vor jedes High Class Hotel gestellt werden, ohne dass gleich „Taxi“ geschrieen wird. Er füllt die Lücke zwischen der „zu langweiligen“ E-Klasse und der „zu versnobten“ S-Klasse. Die Kunst des Designs vom CLS ist, dass er auffällt ohne aufzufallen. Ein Auto für die Ästheten unter den modernen Benz-Fahrern.

Das niedrigere Dach und die kleineren Fensterflächen zeichnen eine dynamische Dachlinie bis hin zum Kofferraum. Dazu trägt auch die hohe Schulterlinie bei. Der CLS streckt sich. Die 18 Zoll Felgen machen optisch einen größeren Eindruck und passen sehr gut zum Gesamtbild. Die Front wirkt sportlich geduckt, das Heck gibt sich bullig und ist mit je einem, trapezförmigen Endrohr links und rechts bestückt.

Der Innenraum bietet gehobenes Ambiente durch hochwertige Verarbeitung mit den besten Materialien. Die High-End-Surround-Anlage lässt die Passagiere mit den Ohren schlackern. Bei einem Aufpreis von 4.700 Euro wäre es aber auch bitter, wenn dem nicht so wäre. Mittels Media Interface lassen sich alle möglichen Arten von MP3-Abspielgeräten andocken. Auch das Iphone wird komplett unterstützt – sowohl im Audio- als auch im Bluetooth-Telefon-Modus.  Auch alle anderen Bedienelemente und Gimmicks im Cockpit des CLS sind durchdacht.

Ein richtiges Highlight sind die optionalen Aktiv-Multikontur-Sitze. Nicht nur dass sie sich bequem in allen möglichen Variationen einstellen lassen, sie denken beim Fahren sogar mit. Geht der Wagen in die Kurve pumpt sich die jeweils stärker belastete Seite automatisch auf, um einen besseren Seitenhalt zu gewährleisten. Auf den ersten Blick mag sich das seltsam anhören. Wer sich aber erst einmal an die Fahrdynamikunterstützung  gewöhnt hat, kommt sich vor, als ob ein großer Bruder ständig seine schützende Hand um einen legt.

Auch sonst ist das Sicherheitsgefühl im CLS überragend. Ob nun Abstandsradar, Kurvenlicht oder Abstandsregeltempomat - an technischen Sicherheitsgimmicks mangelt es der Limousine nicht. Nicht unerwähnt bleiben sollte hierbei, dass diese technischen Sicherheitssysteme nur gegen Aufpreis erhältlich sind. Dass allerdings auch die Sidebags im Fond nur optional erhältlich sind bedarf einer kleinen Rüge. In einem Mercedes sollte so etwas Serie sein.

Unter der Motorhaube lauert der Wolf im Schafspelz. Ein fünf Liter großer V8 mit 388 PS und beachtlichen 530 Newtonmetern Drehmoment lässt den CLS in 5,4 Sekunden nach vorne schnellen. Akustisch meldet sich der hubraumstarke Achtzylinder dabei eher dezent zu Wort. Einzig wenn man das Aggregat ein wenig fordert dringt ein dumpfes Grummeln ans Ohr. Das Automatikgetriebe 7G-TRONIC schaltet dabei fix und nahezu ohne spürbare Verzögerung. Schnelles Herunterschalten bei Überholvorgängen erledigt der CLS 500 genauso souverän wie den alltäglichen Stadtverkehr. Zusätzlich kann per Hand am Automatikhebel oder mit dem optional zu ordernden Lenkrad-Pedals geschaltet werden. Das macht nicht nur Spaß, im manuellen Sport-Modus verkürzt sich auch die Beschleunigungszeit außerdem um 0,2 Sekunden auf dann 5,2 Sekunden.

Damit auch solche Gewaltausbrüche weggesteckt werden können, kann das höhenverstellbare Fahrwerk Dank der niveauregulierenden Luftfederung (Airmatic DC) auf die jeweiligen Vorlieben des Fahrers eingestellt werden. So lässt es sich komfortabel voranschreiten aber auch sportlich straff dahinreisen.  Längere Touren bereiten keinerlei Probleme, man fährt im CLS wie in einer Sänfte. Die Lenkung reagiert präzise auf Lenkbewegungen und ist leichtgängig zu bedienen.

Auch unter schlechten Witterungsbedingungen lässt sich die heckgetriebene Limousine nicht aus der Ruhe bringen. Die Elektronik greift auch bei sportlichem Voranschreiten erstaunlich wenig ein, gibt nur bei allzu forschen Fahrmanövern Laut. Sie kommt eher unterstützend denn fordernd daher. Die Bremsen reagieren sehr fix und packen wenn es sein muss auch äußerst bissig zu.

Der Verbrauch des CLS 500 erstaunte dann doch sehr. Trotz vieler schneller Autobahnpassagen und hurtigen Landstraßenfahrten kam der CLS selten über 12-13 Liter Durchschnittsverbrauch. Vom Werk angegeben wird der Verbrauch mit 11,6-11,8 Litern. Bei einem so gewichtigen Pfundskerl mit knapp 400 PS aus einem dickem V8 durchaus lobenswert. Zu guter Letzt lässt sich sagen, dass Dank des Kofferraumladevolumens von 495 Litern auch ein gemütlicher Reisetrip zu viert prima zu bewerkstelligen ist.

Fazit: Operation gelungen. Der CLS ist eine elegante Alternative zur eher bieder anmutenden E-Klasse. In ihm pochen die treuen und alltagstauglichen Attribute der E-Klasse gepaart mit einem noblen Außenambiente. Er bewährte sich als souveräner Reisewagen mit sportlichem Touch. Der Platz im Fond ist nicht ganz so optimal, aber wer darauf Wert legt, hat ja immer noch die Chance die reguläre E-Klasse zu ordern.

Nachdem dieses Jahr schon die neue E-Klasse präsentiert wurde, wird sich Mercedes wohl auch nicht mehr allzu viel Zeit lassen, den CLS mit einem frischen Design aufblühen zu lassen. Mehr Power als im CLS 500 braucht im Grunde genommen keiner. Wer dann doch das gewisse Mehr zum Voranschreiten braucht, der greift zum CLS 63 AMG mit fröhlichen 514 PS- mit extra V8-Sound.

 

Technische Daten Mercedes CLS 500

Antriebsart: Heck | Hubraum: 5.461 cm³ | Leistung: 388 PS bei 6.000 U/min | Drehmoment: 530 Nm bei 2.800- 4.800 U/min | Vmax: 250 km/h (abgeriegelt) | Beschleunigung 0-100 km/h: 4,5 s | Durchschnittsverbrauch: 11,6- 11,8 l/100 km | Gewicht: 1.835 kg | Preis: ab 75.517,00 Euro inkl. MwSt.

Text & Pics: Mario-Roman Lambrecht


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