Hamburg,
12.10.2009:
Sicher, das Design eines Autos ist immer
Geschmackssache. Ob das neue Modell hübscher oder weniger gelungen ist als
der Vorgänger, sieht jeder anders. Bei der Neuauflage des
Mazda3 MPS dürften
sich aber zumindest in einem Punkt alle einig sein: Das 2010er Modell ist
stimmiger als der Vorgänger. Immerhin zerren 260 PS an der Vorderachse,
katapultieren den Hot Hatch in 6,1 Sekunden auf Tempo 100 und machen den
direkten Kontrahenten von Audi S3,
VW Golf R und
Opel Astra OPC 250 km/h
schnell. Und diese Power sollte man auch nach außen tragen. War die
Spitzenmotorisierung des letzten „3“ eher dezent verpackt und erst auf den
zweiten Blick zu erkennen, macht der Neue mit großem Heckflügel, Lufthutze
auf der Motorhaube und zwei satten Endrohren ordentlich auf dicke Hose. Und
das darf er auch, wie unser erster Test beweist.
Um
den neuen MPS mit seinem 260 PS starken, bereits bekannten 2,3-Liter-Turbo
unter der Haube besser einschätzen zu können, wollen wir ihn gleich zu
Beginn in sein Umfeld einsortieren. Wem die neue Optik mit Flügel und
Lufthutze gefällt, der bekommt für 27.400 Euro einen Kompakt-Kracher, der
trotz 50 Mehr-PS immer noch weniger kostet als der deutlich langsamere
Golf
GTI (210 PS, 240 km/h, 6,9 sek.) und auch den
Honda Civic Type R
unterbietet. Der hat gar nur 201 PS und ist fast 1000 Euro teurer. Allein
der Ford Focus ST mit seinem 225 PS starken Fünfzylinder unter der Haube
unterbietet den neuen 3 MPS. Für 26.750 Euro bekommt man hier einen
6,8-Sekunden-Sprinter, der bis 241 km/h rennt. Gefahr droht dem Mazda also
auch aus diesem Lager nicht.
Noch
interessanter wird die Positionierung, wenn man ersteinmal einige Runden mit
dem kleinen Turbo-Gerät gedreht hat. Also flink den Start-Stop-Knopf
gedrückt und den Vierzylinder mit seinen 380 Newtonmetern Drehmoment zum
Leben erweckt. Schon nach den ersten Metern zügiger Gangart fällt auf: Auch
weiterhin kann die Vorderachse ihre antreibende Funktion nicht
verheimlichen. Kräftig zerrt das Lenkrad beim Tritt aufs Gaspedal, hoch
konzentriert muss man sein, wenn man den Wagen auf engem Geläuf tatsächlich
fordert. Doch das muss kein Nachteil sein. Im Vergleich zur teilweise etwas
weichgespülten Konkurrenz offenbart sich der Mazda3 MPS nicht zuletzt wegen
des kernigen Motors noch als echter Haudegen nach altem Schrot und Korn. Mit
fester Hand gezähmt macht der Wagen genau was der Pilot möchte. Auch wenn
die Funktion der mechanischen 25%-Differenzialsperre durchaus perfekter
ausfallen dürfte. An zusätzliche Tuning-PS sollte man also nicht einmal
denken. Dank seiner ausgeklügelten Vorderachse, macht hier etwa der
Ford
Focus RS mit gleich 305 PS eine deutlich bessere Figur. Wir haben bei
unserem Ausritt aber auch im MPS eine Menge Spaß und auf engen Landstraßen
hätten wir mit Sicherheit selbst den
Mitsubishi Lancer Evo X mit SST
abgezogen. Der hat zwar 295 PS, durch das unmögliche Direktschaltgetriebe
SST ist er aber langsamer als der Mazda mit seiner manuellen Sechsgang-Box.
Ändert sich allerdings die Fahrbahn von trocken auf nass, wird’s im MPS
deutlich schwieriger, Herr der Lage zu bleiben. Jetzt ist es fast unmöglich,
die Kraft kontrolliert auf die Straße zu bringen und ein Allradantrieb wäre
wünschenswert.
Ist
dieser Wunsch sicherlich der Mazda-Preispolitik zum Opfer gefallen, hätte
man bei der Soundkomposition wohl ohne großen Aufwand noch etwas nachhelfen
können. Ähnlich dem akustischen Auftritt des neuen Ford Focus RS würde man
auch beim Anblick des neuen 3 MPS etwas mehr Extrovertiertheit erwarten.
Immerhin kann sich der Mazda mit BMW 330i, Mercedes CLC 350 und erwähntem
Mitsubishi Lancer Evo X anlegen. Doch statt grolligem Auspuffsound oder
bösen Turbozischeln schwimmt der 4,51 Meter lange MPS einfach mit. Das hat
natürlich den Vorteil, dass auch längere Autobahnetappen nicht zum
Kopfschmerzdebakel führen, sondern den stärksten Mazda3 auch als Reisewagen
gut dastehen lassen. Der angegebene Durchschnittsverbrauch von 9,6 Litern
SuperPlus lässt sich aber wohl nur bei sehr zurückhaltender Fahrweise
einhalten. Elf Liter und mehr sind bei normalem Fahren immer drin und wer
dem Eber die Sporen gibt, der landet schnell bei 15 Litern und mehr. Wer gar
den Topspeed von 250 km/h erreichen will und die dafür nötige freie Autobahn
vor sich hat – ab 230 geht’s nicht mehr rasend schnell voran – der nähert
sich mit großen Schritten der 20-Liter-Marke.
Als
überdurchschnittlich gut würden wir das Fahrwerk des neuen Mazda3 MPS
bezeichnen. Ob holprige Ortsdurchfahrt, schnelle Autobahnkurve oder enge
Landstraßenhatz – der im Vergleich zum „normalen“ 3er um zehn Millimeter
tiefergelegte MPS gibt sich keine Blöße. Zwar wirkt er etwas weicher
ausgelegt als sein Vorgänger, dass macht sich aber nicht negativ bemerkbar.
Fazit:
Sowohl im direkten Vergleich mit den allesamt deutlich schwächeren und
langsameren Konkurrenten als auch für sich betrachtet ist der neue Mazda3
MPS ein echter Lichtblick. Hier stimmt das Preis-Leistungsverhältnis und
dank dem Facelift bekommt der kleine Knaller endlich den Auftritt, der ihm
gebührt. Nur wenn man unseren Probanden mit dem zugegebenermaßen 6600 Euro
teureren Ford Focus RS vergleicht, muss er Federn lassen. Hier bietet der
Ford noch mehr fürs Geld und die höhere Rate sollte ernsthaft in Erwägung
gezogen werden.
Technische Daten: Modell:
Mazda3 MPS Motor: Vier-Zylinder
Turbo-Benziner, 2261 ccm Leistung: 260 PS Drehmoment: 380
Newtonmeter Antrieb: Front, Sperre,
Sechs-Gang manuell, Verbrauch: 9,6 l/100 Km,
SuperPlus 0-100km/h: 6,1 Sekunden Vmax: 250 km/h Preis: ab 27.400 Euro
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