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Hamburg,
04.06.2009: Der Jaguar-Fahrer ... Selbstbewusst, Gentleman,
Karrieremensch und gutverdienend – so stellen sich ihn die meisten wohl vor.
Diese Kundschaft bekommt nun eine neue Generation Jaguar vorgesetzt - den XF.
Vom Nachfolger des sympathischen S-Type wird viel verlangt. Mit neuem Design
und dem indischen Konzern Tata als neuem Arbeitgeber im Rücken soll die
britische Traditionsmarke einen Aufschwung erleben. Doch schafft die Mieze
es, den Fahrer mit neuem Gewand in seinen Bann zu ziehen?? Well, let’s see.
Fangen wir doch gleich mal mit dem Sahnestück an, dem Innenraum. So muss ein
stilvoller Innenraum ausschauen. Hier stimmt einfach alles. Die glatten
Holz- und Aluminiumflächen geben den kühlen Formen die nötige Wärme, um sich
direkt nach dem Einstieg heimisch zu fühlen. Wer zum ersten Mal einsteigt
runzelt verwundert die Stirn und sucht nach Luftdüsen und Automatikhebel.
Wer
den Start-Stop-Knopf betätigt und die Lebensgeister des Jaguar XF erwachen
lässt, wird alsbald unterhaltsam aufgeklärt. Aus der Mittelkonsole steigt
ein glänzender Controller in Form eines Drehschalters empor. Der
Armaturenträger gibt ähnlich wie beim VW Phaeton wie von Geisterhand die
Luftdüsen frei. Das wirkt so elegant, dass man immer wieder fasziniert das
Schauspiel beobachtet. Handschuhfach und Leselicht lassen sich bequem per
Fingertipp betätigen. Wer hier nicht gleich zu schnurren anfängt muss schon
sehr abgebrüht sein.
Die Ledersitze fühlen sich
sehr gut an, bieten allerdings bei schnellen Kurvenfahrten nicht ausreichend
Seitenhalt. Durch den 2,91 Meter langen Radstand lässt es sich auch auf den
hinteren Plätzen bequem reisen. Insgesamt stimmt die Haptik. Der Kritik
vieler Jaguar-Fans, zu sehr ins Ford-Regal zu greifen, sind die Designer
nachgegangen und haben Abhilfe geschaffen.
Was
der XK im Innenraum noch vor sich hat, das ist im XF gelungen. Er wirkt
eigenständig und stimmig für die Betrachter. Nachts schimmert der Innenraum
in einem stimmungsvollen Blau-Ton. Der Kofferraum bietet 540 Liter
Gepäckraumvolumen und lässt sich bei umgeklappter Rückbank um 420 Liter
erweitern. Insgesamt streckt sich die Raubkatze auf 4,96 Meter.
Werden die 4,2 Liter Hubraum im V8 aufgerüttelt, stehen 298 kratzbürstige
Miezen bereit. Das sechsstufige Automatikgetriebe leitet die Power auf die
Hinterachse. Der Fahrer hat die Wahl wie er sie bezwingen möchte. Ob nun
komfortabel im D-Modus oder sportlich im S-Betrieb. Alternativ darf der
Fahrer auch manuell per Schaltwippen die Gänge wechseln.
Die wiederum sind
unauffällig und verstecken sich verschämt in schwarzer Plastik-Optik hinter
dem Lenkrad. Warum Jaguar den Schaltwippen anstatt der schnöden
Plastiktracht nicht auch ein wenig Alu-Glanz geben konnte, will nicht so
ganz einleuchten. Dennoch: Wer sie nutzt, hat unglaublich viel Spaß.
Mit einem leichten Fauchen
setzt sich der Jaguar in Bewegung. Bei Vollgas vergehen gerade mal 6,6
Sekunden bevor Tempo 100 erreicht wird. Wie es bei Limousinen schon
Tradition hat, wird bei Tempo 250 abgeriegelt. Dabei sollen im Durchschnitt
nur 11,1 Liter durch den Tank gehen. In der Realität ging es mit 14-15 l/100
km ein wenig durstiger zur Sache.
Die
4,2 Liter Hubraum setzen 411 Newtonmeter Drehmoment frei, ausreichend für
ein angenehmes Druckgefühl im Rücken. Dabei lässt sich der auf Bass
gestimmte Achtzylinder nie aus der Ruhe bringen und glänzt mit einer
exzellenten Laufruhe. Das Fahrwerk arbeitet hervorragend und der Jaguar
folgt agil jeder Lenkbewegung als wäre er hinter einem Wollknäuel her. Der
Hecktriebler lässt sich auch auf feuchtem Untergrund nicht aus der Ruhe
bringen, Traktion ist immer vorhanden. Dabei gibt das schicke Lederlenkrad
jederzeit eine gute Rückmeldung von der Straße zum Fahrer.
Beim Schalten denkt die Automatik mit. Ist der Fahrer dynamischer in einer
Kurve unterwegs, hält der Jaguar den Gang bis der Wagen wieder in die Gerade
kommt. So sind keine bösen Überraschungen zu befürchten. Auch im normalen
Alltagsverkehr leistet sich die Automatik äußerst selten einen Verschalter.
Sowohl die Aluminiumaufhängung als auch die Bremsanlage wurden vom
erfolgreichen XK für den XF adaptiert.
Im Innenraum geht es
akustisch dezent zu. Der Achtzylinder lässt bei forscher Anfahrt durchaus
anklingen, dass er auch gerne faucht, ansonsten arbeitet er auf einem
angenehmen Reisekomfortlevel. Außer dem Motor lassen sich auch bei hohen
Geschwindigkeiten keinerlei störende Nebengeräusche ausmachen.
Stattdessen
darf sich der Fahrer auf die prachtvollen Klänge freuen, die der Bowers &
Wilkins Soundanlage (1.530 €) entlockt werden. Dank der optional in der
Mittelkonsole installierten portablen Schnittstelle für Audio-Geräte (für
schlappe 810 €) lässt sich auch das I-Phone problemlos bedienen. Bluetooth,
Navigation, Soundeinstellungen und weiteres sind bequem und sehr
übersichtlich am Touch-Screen zu bedienen.
Kommen wir nun zu einem
besonderen Part, dem Außendesign. Ein Jaguar muss Wiedererkennungswert haben
und die Eleganz des Titel-gebenden Raubtiers ausstrahlen. Charakter eben.
Die Studie XF-C ließ auf eine Schönheit auf dem Level eines Quattroporte
hoffen. Es wurde aber stattdessen ein Design-Puzzle aus Lexus, Aston Martin,
Ford und Mazda. Emotionen kommen bei der Front kaum rüber. Die
Verabschiedung vom barocken Engländer zu einem unauffälligen Mittelklasse
Automobil. War das wirklich so beabsichtigt?
Der prachtvolle V8
schnaubt bei diesen niedlichen Frontlichtern grantig auf. Schließlich macht
für diese verharmloste Front insbesondere mit den Glubsch-Mini-Lichtern im
Asiaten-Style kaum jemand die linke Spur frei. Die coupéhafte Seitenlinie
und das Heck im Aston Martin-Stil versuchen noch zu retten was zu retten
ist. Doch auch hier lässt sich keine eigenständige Linie erkennen. Natürlich
will auch Jaguar sich mal wieder strecken und sein biederes Image beiseite
legen, aber so? Selbstverständlich sind Designüberschneidungen zu der
Konkurrenz mittlerweile kaum zu vermeiden, aber so? Nein Mister Ian Callum,
so bitte nicht.
Man
wird das Gefühl nicht los, dass hier zu viele Köche am Werk waren. Als wurde
aus der Chefetage diktiert: „Kommt schon! Hier ein wenig Stil und hier ein
wenig mehr aggressiv aber doch ein wenig freundlicher.“ Ganz schummrig wird
einem aber erst, wenn man offen und ehrlich gefragt wird, ob das der neue
Mazda6 sei. Wer will da noch antworten, dass dies ein britisches Kätzchen
sei?
Fazit:
Einen so schönen Innenraum in der oberen Mittelklasse bekam man selten zu
sehen. Der laufruhige V8 prescht ohne Gnade voran. Dazu glänzt das
sportliche Fahrwerk, das auf BMW-Niveau liegt. Die knapp 300 PS fühlen sich
sogar ein wenig kräftiger an als auf dem Papier.
Ohne Zweifel hat Jaguar
hier einen würdigen Konkurrenten für den Audi A6, BMW 5er und die Mercedes
E-Klasse hingestellt. Daher darf man Jaguar gratulieren. Der Schritt zu
einem neuen, frischen Gesicht (Concept-XF) war der richtige, nur leider
verließ die Jungs am Ende der Mut das auch am Außendesign konsequent
durchzusetzen. Irgendwie schade.
Technische
Daten:
Modell:
Jaguar XF 4.2 V8
Motor: 8-Zylinder V-Motor-Benziner, 4196 cm³
Leistung: 219 kW / 298 PS
Drehmoment: 411 Nm
Antrieb: Front, 6-Gang
automatisch,
Verbrauch: 11,1 l/100 Km
Benzin
0-100km/h: 6,6 sec.
Vmax: 250 km/h
Preis: ab 62.180 Euro
Text & Pics:
Mario-Roman Lambrecht
Wenn es Ihnen elegante
Limousinen mit ordentlich Bums unter der Haube angetan haben, dann werden
Sie vielleicht bei diesem gebrauchten
Mercedes CLS oder
Maserati Quattroporte fündig. Viel Spaß
beim Stöbern.
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