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Hamburg, 27.04.2009:
Ausnahmen bestätigen die Regel, so auch im
Mainstream-Design-Einerlei der automobilen Mittelklasse. Ein gutes Beispiel:
der Honda Civic Type-R in der Championship Edition. Ein Auto, dessen Äußeres
Dich förmlich anspringt und sich die graue-Maus-Maske vom Gesicht reißt.
Hier geht es zur Sache. Und zwar richtig.
Zugegeben, ich war bisher kein großer Fan der Nippon-Szene.
Goldene Felgen, schenkeldicke Auspuffendrohre und kreischende Motoren waren
nicht wirklich meine Welt, doch das weiße Raumschiff hat meine Sichtweise
geändert. Grundlegend.
Der
zerklüftete Armaturenträger im Innenraum setzt zwar keine Maßstäbe in
Ergonomiefragen und auch das Bediensystem ist selbst für „digital natives“
nicht selbsterklärend, doch das wichtigste aller Instrumente – den
Drehzahlmesser – rückt Honda in den Fokus. Mittig, groß und in jeder
Situation gut abzulesen. Für alle Fälle gibt es unterstützend noch sechs
farbige Schaltblitz-LED’s, die auf der Suche nach dem optimalen
Schaltzeitpunkt gute Dienste leisten.
Der
Gangwechsel selbst bietet ebenfalls höchsten Genuss, denn die weit oben in
der Mittelkonsole montierte Hebelei gefällt nicht nur auf Grund der
Position, sondern auch durch knackig kurze Schaltwege und eine gute
Schaltbarkeit. Die Sitzposition haben die Japaner ebenfalls perfekt
arrangiert. Die Recaro-Schalen bieten zum einen packenden Seitenhalt, zum
anderen betten sie den Piloten mitten im Auge des Sturms – und der tobt,
sobald der Zweiliter-Sauger unter der Haube zum Leben erweckt wird.
Nach dem Kaltstart schüttelt er sich unrund die Müdigkeit
bei 2000 Touren aus den Lagern – sämtliche Effizienz-Hochschalt-Lämpchen der
Konkurrenz wären hier bereits vor Aktionismus durchgebrannt. Doch der i-VTEC
verschiebt die Drehzahldimensionen eben nachhaltig.
Unter 5600 Umdrehungen benimmt sich der Motor kultiviert
und geschmeidig wie ein solider Großserienmotor, doch wehe das Steuergerät
zündet die scharfen Steuerzeiten und den großen Nockenhub: Das
Ansauggeräusch wird hohl und bedrohlich, aggressiv beißt der Zweiliter zu
und peitscht die Drehzahlleiter nach oben. 7000, 7500, 8000, erst bei 8200
setzt der Begrenzer der Orgie ein Ende und gefühlt kann die Maschine noch
deutlich mehr. Hier wird nichts zäh, nichts unwillig, nichts träge. Der VTEC
giert nach Drehzahl und nach Volllast, er will benutzt werden. Eine Maschine
im Rausch.
Das
Fahrwerk spielt den kongenialen Partner zu diesem außergewöhnlichen
Aggregat. Straff und trocken federt es sich durch den Alltag, doch im harten
Landstraßengefecht zeigt der Honda ein Talent, dass den meisten „hot Hatches“
fremd ist: er ist ehrlich. Keine versteckten Tücken, keine Fahrspaß-Effekte
oder übertriebener Sicherheitswahn, sondern eine Abstimmung, deren einziger
Zweck die schnelle Rundenzeit ist. Das Feedback ist glasklar, die Lenkung
harmoniert bestens mit dem Fahrwerk und auch das exklusiv in der
Championship Edition verbaute Sperrdifferenzial trägt seinen Teil zur
Gesamtperformance bei.
Das
Stabilitätsprogramm bleibt völlig außer Dienst, denn der mechanische Grip,
den der Honda aufbaut, hält das Chassis in jeder Situation auf Kurs und
höchstens fahrdynamische Grobmotoriker stellen den Civic vor unlösbare
Aufgaben. Sollte es dennoch mal zu schnell in die Kurve gehen, kann
man auf die soliden Bremsen des weißen Sportlers vertrauen. Der Druckpunkt
stimmt, die Dosierbarkeit ist klasse und auch bei hoher Beanspruchung lässt
die Wirkung nicht nennenswert nach. Einzig die weißen Editions-Felgen sind
etwas empfindlich und die schnelle Überlandpartie wird durch deutlich
sichtbaren Bremsabrieb von der besseren Hälfte schneller entlarvt.
Dass der Kofferraum
vernünftig dimensioniert, die Rückbank im Handumdrehen umgelegt und die
Ausstattung Honda-typisch komplett ist zeigt, dass sich die Japaner Ihren
Sportsgeist nicht auf Kosten der Praktikabilität erkauft haben.
Uns hat die weiße Edition der Civic Type-R nicht nur
überzeugt, sondern sie hat unsere Meinung zu japanische Kompaktsportlern
geändert. Grundlegend. Danke Honda.
Technische Daten:
Modell:
Honda Civic Type-R Championship Edition
Motor: Vier-Zylinder
Benzin, 1998 ccm
Leistung: 201 PS
Drehmoment: 193
Newtonmeter
Antrieb: Front, Sperre,
Sechs-Gang manuell,
Verbrauch: 10.4 l/100 Km,
Super
0-100km/h: 6.6 Sekunden
Vmax: 235 km/h
Preis: ab 28.990 Euro
Text: Fabian
Mechtel
Pics: Florian Steinl
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