Hamburg,
01.06.2009: Ich kann nicht anders. Immer wieder zwingt mein Fuß das
Gaspedal aufs Blech. Es dröhnt hinten, rumort vorne und drück mich in den
Sitz. Das reicht. Kurz den Fuß gelupft und schon pfeift die überschüssige
Luft aus dem Überdruckventil des Turboladers. Es ist herrlich, wie die
Ford-Akkustik-Ingenieure das Zusammenspiel der einzelnen „Lärmquellen“ beim
neuen Focus RS komponiert haben. Hat es schon im Focus ST höllisch Spaß
gemacht, dem Atmen des Wagens zuzuhören, verfolgt einen dieses Erlebnis im
305 PS starken RS bis in den Schlaf. Na toll, jetzt bin ich angefixt und
brauche mehr.
Aber das „Mehr“ im Focus RS ist gar nicht mal so teuer. Knapp 34.000 Euro
rufen die Kölner für ihre Droge auf. Dafür bekommen Fans des extrovertierten
Krawall-Auftritts einen Fronttriebler, der auf den Ford-Teststrecken „die
Allradkonkurrenz glatt versägt hat“ (Aussage Ford). „Wir waren selbst
überrascht, was die neue Revo-Vorderachse in Kombination mit dem
mechanischen Sperrdifferenzial leistet.“ Ob der von einem
2,5-Liter-Fünfzylinder mit Turboaufladung befeuerte Focus RS tatsächlich
schneller ist als
Mitsubishi Lancer Evo X (295 PS) und
Subaru Impreza WRX STi mit 300 PS
(Interpretation der Redaktion), kann ich zwar nicht bestätigen, das
subjektive Fahrgefühl im neuen Hammer-Focus stellt den von uns bereits
getesteten Evo X allerdings klar in den Schatten. Hat der Japaner viel von
seinem alten Charme des raubeinigen Gesellen mit mächtig Punch eingebüßt,
bedient nun Ford diese entstandene Nachfrage-Lücke.
Und
so verwundert es nicht, dass die 1030 Exemplare, die für den deutschen Markt
bestimmt sind, bereits fast ausverkauft sind. „Wenn Sie heute einen
bestellen, ist der frühestens im November bei Ihnen. Kein einziger RS steht
in einem Showroom, die Wagen werden direkt vom Band an die Kunden
ausgeliefert.“ Und das ist auch kein Wunder. Bereits bei meinem ersten
kurzen Ausritt im RS habe ich eine Vorstellung vom stärksten Fronttriebler
der Welt bekommen. Zwar ist auch beim Focus RS der Nachteile einer
Lenkung-Antriebsteilung nicht wegzudiskutieren, doch verstecken muss sich
der kräftige Kölner hinter der Allradkonkurrenz nicht. Mit einer Spritzeit
von 5,9 Sekunden auf Tempo 100 liegt er zwar hinter Mitsubishi und Subaru
zurück, der Topspeed von 263 lässt die Konkurrenten aber genauso alt
aussehen wie der Preisvorteil von min. 10.000 Euro. Vom fabelhaften Auftritt
des Ford mit seiner gewaltigen Luftöffnungen in der Front, den auf Wunsch
weißen Alus, dem riesigen Heckflügel, dem Heckdiffusor und den beiden großen
Endrohren sowie der kompletten Ausstattung mit perfekt sitzenden Recaros,
Bi-Xenon, Nebelscheinwerfern und ESP/ASR wollen wir gar nicht reden.
Sie
merken schon, ich bin dem Focus RS verfallen. Sie haben Recht. Ich bestreite
es nicht. Noch mit keinem Wagen habe ich mich beim Beschleunigen auf einer
kurvigen Autobahn-Auffahrt mit 160 Sachen so sicher gefühlt. „Er muss doch
endlich mal schieben“, denke ich. „Verdammt, warum schiebt der nicht?“ Ich
bin begeistert, wie gelassen der Wagen sich mit selbstmörderischem Tempo
durch Kurven ballern lässt. Als die Autobahnauffahrt endet und ich über zwei
Spuren nach ganz links wechsle, zeigt der Tacho schon knappe 200 an. Zack in
den fünften der sechs knackig abgestuften Gänge gewechselt und das Pedal
aufs Blech gelegt. Bis etwa 245 geht’s zügig weiter, dann muss sich der RS
dem Luftwiderstand ein wenig geschlagen geben. Zwar knacke ich tatsächlich
die 260, um einen 265 fahrenden
Cayman S zu ärgern, reicht das aber
irgendwie nicht.
Anders
sieht die Sache möglicherweise auf der Landstraße aus. Hier kann sich der
RS-Pilot richtig austoben und die Zuffenhausener Flundern mächtig ärgern.
Mit einem knapp an der Grenze zum „knüppelhart“ zu bezeichnenden Fahrwerk,
der breiteren Spur und seinen 440 Newtonmetern (2250-4500 U/min) verwöhnt er
den Fahrer mit optimalem Bodenkontakt, super Querbeschleunigung und mächtig
Durchzug in fast jeder Lebenslage. Selbst die erwartete Gedenksekunde des
Turboladers fällt erstaunlich unauffällig aus. Bei soviel Vorwärtsdrang darf
natürlich auch die Negativbeschleunigung nicht zu kurz kommen. Ford begegnet
der Herausforderung mit 336er Bremsscheiben vorn und 302 Millimeter
messenden Derivaten an der Hinterachse. Das langt. Mir ist es trotz fast
übereifriger Kurvenhatz nicht gelungen, die Stopper aus der Ruhe zu bringen.
Wer
nun immer noch nicht über den mangelnden Allrad-Antrieb hinwegsehen kann,
dem sei an dieser Stelle ein phosphor-heller Lichtblick gezeigt. Wie ich dem
RS-Entwickler John Wheeler entlocken konnte, sind sich Ford Focus und Kuga
unterm Blech so ähnlich, dass die komplette Hinterachse des Allrad-SUV auch
im RS verbaut werden könnte. „Ford-Tuner, die sich schon länger mit der
Marke beschäftigen, sollten das ohne große Probleme hinbekommen“, erklärt
mir Wheeler. Selbst wenn so ein Umbau mit 10.000 Euro zu Buche schlagen
sollte, bekäme man einen 305 PS starken Ford Focus RS mit Allradantrieb also
zum gleichen Preis wie einen Evo X und für WRX STi. Ausstattungsbereinigt
dürfte der Ford allerdings immer noch deutlich günstiger sein.
Fazit: Kaufen! Für 34.000 Euro gibt’s definitiv keinen besseren Sportler auf
dem Markt. Selbst für 44.000 Euro inkl. nachgerüstetem Allradantrieb ist der
Focus RS ein Schnäppchen. Wer den
kernigen WRX STis und Evos der
Vergangenheit nachtrauert, der ist beim RS genau richtig.
Wem selbst die knapp
34.000 Euro für den neuen RS zu viel sind, der sollte sich
HIER und
HIER nach gebrauchten Impreza WRX STi und
Lancer Evos umschauen.
Alle weiteren
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HIER!
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