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Hamburg,
09.08.2009:
Nein, das war so nicht
vorherzusehen: der Wahnsinn eines giftgrünen Neo-Muslcecars mit
mattschwarzer Haube, 569-herzhaft-lauten-PS mitten in der Münchner
Innenstadt. Natürlich, Understatement ist etwas anderes, doch der
Aufmerksamkeitswert des von Geiger Performance angespitzten Dodge
Challengers war weit mehr als wir erwartet hatten. Gut, wenn der Papst in
exhibitionistischer Ekstase sein Mäntelchen auf dem Viktualienmarkt lüftet,
dann wären die Blicke sein, doch sonst kann dem grünen Unikum so schnell
nichts die Schau stehlen.
Und
dabei fing alles so harmlos an: Herzlich wurden wir vom Firmeninhaber Karl
Geiger persönlich empfangen und durch die heiligen Hallen geführt. Vorbei an
Vorkriegs-Hot-Rods, gepimpten H2-Hummern mit Felgen die man zum
Riesenrad-fahren nutzen könnten, ausgewählten Schätzen wie Shelby GT500,
Ford GT und sogar frisch importierten Umweltschützern aus den USA in Form
von GMC-Hybrid-SUV’s. Bodenständig sei er in all den Jahren geblieben, hätte
die Finger von windigen Geschäften und teuren Luxusimmobilien gelassen und
sich stattdessen immer ums Geschäft gekümmert, das entlockt man dem „Karl“,
wie ihn seine Fans liebevoll nennen, nach einer Kennenlernphase und dann
zeigt er auch schon das Objekt der Begierde: den von seinen Jungs
kompressorgeladenen Challenger SRT8. Eingeparkt und voll mit
Verkaufsbeklebung steht er im Showroom und unsere Hoffnung den Boliden um
die vier Ecken zu fahren schwinden zusehends. Doch da kennen wir den Karl
schlecht. Den O-Ton können wir auf Grund eklatanter Bayrisch-Mängel zwar
nicht wiedergeben, aber so schnell wie der Chef den Challenger ausgeparkt
und mit der Rasierklinge die Beklebung von der Scheibe entfernt hat, haben
wir so auch schon länger (überhaupt schon mal?) nicht gesehen. Die roten
Schilder waren ebenso schnell am Auto wie der Hinweis in der Stadt doch
bitte mit runtergelassenen Scheiben zu fahren. Das Gesetz mag in Deutschland
eben keine getönten Scheiben vorne – wo es doch so unendlich gut ausschaut.
Sei’s drum. Fenstern
runter, Motor an und gleich noch den Schlüssel für den Kamera-Hummer
zugeworfen bekommen. Ab geht die wilde Fahrt.
Zunächst
ist alles ganz unspektakulär. Fahrstufe D eingerückt, Fuß von der Bremse und
schon rollt der Geiger auf seinen mächtigen 22-Zöllern vom Hof. Das schafft
Vertrauen, denn die magischen Ziffern 569 HP, die vor den Ram-Air-Einlässen
auf der Haube prangen, wecken doch so etwas wie Ehrfurcht. Wir fahren den
beschriebenen Weg raus aus München und rein in die bayrische Landidylle.
Lässig röchelt der
6.1er HEMI sein Verbrennungslied in die Landschaft und das
Corsa-Logan-Golf-fahrende-Verkehrsumfeld wirkt leicht verstört. Dabei haben
wir noch gar kein Vollgas gegeben – das hat seinen Grund, denn schließlich
sind weder die acht Kolben, noch die mächtigen Michelin Pilot Sport, deren
295mm breite Gummimischung sich den Gewalten der 678 Newtonmeter zu
widersetzen versucht,
auf Betriebstemperatur
Im
Stadtverkehr blitzt zum ersten Mal das größte Talent des Challengers zart
auf, seine Fähigkeit zum Cruisen. Beruhigend grummelt er an der Ampel um
nach dem Grün mit kaum erhobener Stimme davonzurollen. Keine Hektik, keine
Nervosität, sondern Ruhe und Kraft verströmt der wilde Grüne.
Ein Weichei also? Kein
Racer für den Strip? Oh nein, weit gefehlt. Sobald die Kühlwasseranzeige
grünes Licht für den Vollgas-Showdown gibt, reißt der Geiger seine
Schönwetter-Maske vom vergitterten Gesicht. Böse brüllt der V8 und der
mächtige Kompressor wirft sein durchdringendes Heulen in die
Geräuschkulisse. Die Michelins malen breite Marken auf den Asphalt und das
ganze Heck windet sich schwänzelt auf der Flucht nach vorn. Jetzt wissen wir
warum man die echten Musclecars auch „snakes“ nennt.
Die 569 PS machen mit
dem Chassis was sie wollen. Egal welcher Gang, egal welche Geschwindigkeit,
bei Bedarf wird geschwänzelt und die Straße verziert. Ohne Vollgas. Halbgas
reicht da völlig. Und das bringt uns zum oben erwähnten Wesenszug des GT’s:
er ist ein Cruiser. Rennen kann er, aber das ist langweilig, denn Gegner
gibt es praktisch keine. Fenster runter, lässige Musik über die hochwertige
und perfekt installierte Pioneer-Anlage und dazu die zwerchfell-massierende
Bassline des HEMI’s im Ohr – so geht Autofahren.
Dass der Verbrauch bei
derartiger Haltung im Rahmen bleibt überrascht nicht, die Dimension des
Rahmens hingegen schon: 12,6 Liter zeigte der Bordcomputer während unserer
Dreharbeiten und nein, wir haben ihn nicht auf /mpg stehen gehabt.
Was
spricht also gegen so eine Cruising-Machine? Eigentlich nichts, die Preise
starten bei 45.000 Euro und unser mit Kompressor, bigbrake-Bremse, Fahrwerk
und sonstigen Modifikationen bis an die Zähne bewaffneter SRT8 GT steht mit
89.000 Euro in der Preisliste – verglichen mit der Konkurrenz ist das nicht
überzogen, doch das Umfeld ist wie so oft das Problem.
An jeder Ampel „musst“
du Rennen fahren, alle schauen sich nach Dir um und alle wissen, dass du da
bist. Inkognito geht nicht. Nicht in grün, nicht mit 22-Zoll-Felgen und
nicht mit diesem Auspuffsound. Wer damit leben kann sollte schnell zum Karl
und sich den Challenger mal genauer ansehen.
Fürs Geld gibt es viel
Auto, das dank sorgsam abgestimmtem Gewindefahrwerk auch europäischen
Fahrdynamik-Ansprüchen gerecht wird und bei Bedarf diese unbeschreibliche
Krafteruption abliefert, von der man nie genug bekommen kann.
Und ein bisschen Kind
darf man natürlich immer sein, beispielsweise wenn sich ein Münchner Gigolo
mit seinem CLK500 noch schnell die Pole-Position an der Ampel erzwingt und
dem „peinlichen Ami“ und seiner Beifahrerin mal zeigen möchte wer der Herr
der Kavalierstarts ist.
Dumm
nur, wenn der Geiger GT dann Vollgas gibt. Und ja, wir haben alles gegeben.
Was sich in den folgenden Augenblicken mitten in der Münchner Innenstadt,
irgendwo in der Nähe des Vikutalienmarktes abspielte, erwartete weder Mister
Loverlover im CLK, noch das auf „Cruiser“ eingestellte Pilotenhirn im
Challenger: Einem infernalischen Leerlaufrülpser folgte ansatzlos das
eingeschüchterte Jammern der breiten Hinterachs-Michelins, doch der
Kompressor gab weiter den Befehl zum vollen Anblasen. Nun bekamen die Gummis
den bayrischen Asphalt zu fassen, um sich ohne Rücksicht auf Profilverluste
mit ihm zu verzahnen. Der Sprung, den der SRT8 GT in diesem Moment in
Richtung CLK macht ist so gewaltig, dass man Angst haben muss, den süßen
Schwaben in eine Blechzieharmonika zu verwandeln.
Doch einmal auf dem
Gas und den V8-Benz zutiefst gedemütigt, lässt der Challenger nicht nach:
Der Erste wird ausgedreht, dann reißt der Wandlerautomat den Zweier in den
Kraftschluss. Die Schaltpause nutzt der Kompressor zum herrlich prustenden
Abblasen, um sich danach noch einmal teuflisch heulend ins Geschehen zu
stürzen.
Das Lautstärke und
Geschwindigkeit in diesem Moment so gar nicht mehr in die Münchner
Innenstadt passen wollen, bekommst du als Fahrer kaum mit – alles geht zu
schnell, alles ist zu brachial, das Hirn ist schlicht zu langsam die
richtigen Befehle zum Gegensteuern zu geben. Vielleicht ist es aber auch die
Lust nach mehr, die dich einfach draufbleiben lässt.
Die nächste rote Ampel
holt uns dann aber auf den Boden der Tatsachen zurück.
Anhalten,
durchatmen, alles wird gut. „Can you take a picture of me and the church“ –
„Yes, but not with that ugly green car in the back!“.
Und da sind wir
wieder beim Thema. Diese Szene, gesprochen von einer Gruppe englischer
Touristinnen gesetzten Alters zeigt die Problematik des Challenger GT’s. Er
wird nicht verstanden. Er ist kein halbseidener Prolet, keine
Selbstbewusstseinsstütze für zu-kurz-Gekommene, sondern einfach ein lässiger
Cruiser. Ein Auto in dem man der Nerverei des Alltagsverkehrs entkommt und
in dem man über die Provokationen anderer Verkehrsteilnehmer locker
hinwegsieht – meistens zumindest.
Trotzdem würden wir
ihn nicht in grün bestellen. Dunkelgrau mit schwarzen Stripes. Ja, das wäre
es. Wir müssen da mal mit dem Karl drüber reden.
Technische
Daten:
Modell:
Geiger
Challenger SRT8 GT
Motor:
Acht-Zylinder-Benziner, 6100 ccm
Leistung:
569 PS
Drehmoment:
678
Newtonmeter
Antrieb:
Heck, 5-Gang
automatisch
Verbrauch:
12.7L /
100 Km Benzin
0-100km/h:
5,1
Sekunden
Vmax:
272 km/h
Preis:
ab 89.900 Euro
Text & Pics: Fabian
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