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Hamburg,
24.04.2009: Es gibt viele verschieden Autogattungen. Wer jedoch den wahren
Fahrspaß erhaschen will, der greift zu einem Sportwagen, und wer das ganze auch
noch ehrlich erleben will, nimmt ihn gleich als Roadster mit nach Hause. Und
hier wartet BMW mit einer kleinen Überraschung auf. Denn der neue Z4 ersetzt
gleichermaßen den alten Roadster als auch das Coupé. Im spanischen Alicante
bekam ich die Gelegenheit mir einen ersten Eindruck vom rassigen Zweisitzer zu
machen.
Die Optik? Operation Gelungen! Verschämt
versuche ich mir den Sabber am Kinn wegzuwischen. Da hat BMW endlich wieder eine
optische Sahneschnitte auf die Straße gebracht. Die Bayern streckten die
Außenhülle um 25 cm in der Länge und 10 cm in der Breite. Man hat sich sichtlich
Mühe gegeben, die alten Tugenden eines echten Roadsters zu realisieren.
Die Front gibt
sich mit geteilter Niere und typischem BMW Gesicht selbstbewusst. Die
Seitenlinie und das Interieur versprühen einen Touch Z8. Die Motorhaube scheint
schier endlos lang und wird durch die raffinierte Linienführung optisch nochmals
gestreckt. Der Fahrer sitzt nahe der Hinterachse. Der ansehnliche Prachthintern
erinnert dank seiner LED-Rückleuchten an die 6er Baureihe.
Und nun müssen
Liebhaber der alten Z-Reihen einmal kurz durchatmen. Denn der neue Z4 teilt sich
nun mit dem
aktuellen 3er BMW eine Gemeinsamkeit: das
Stahlklappdach. Endlich erfüllt das Klappdach den eigentlichen Hintergedanken
der Designer: nämlich zwei Autos in einer Karosserie zu vereinen. Geschlossen
kommt ein prachtvolles Coupé zum Vorschein, das sich nicht vor seinem Vorgänger
verstecken brauch. Somit hat der Z4 dem 3er etwas voraus, denn geschlossen
kommt der nicht an den Vorgänger
E46 dran.
Per
Funkfernbedienung oder Schalter im Cockpit verschwindet das Top innerhalb von 20
Sekunden im Kofferraum und gibt einen rassig ausschauenden Oben-Ohne-Sportler
für Männer preis. Leider darf dies nur im Stehen passieren, da die Bremsleuchte
im fahrenden Zustand immer sichtbar zu sein hat. Und eben diese wird beim
Faltvorgang verdeckt sobald die Kofferraum-Klappe nach oben schwenkt. So will es
der Gesetzgeber, der olle Spaßverderber. In diesem Fall geht der Punkt
einwandfrei an das 1er Cabriolet, das sich auch während der Fahrt öffnen und
schließen lässt.
Wer ein
unansehnliches Pummelheck im Stile des Peugeot 207 befürchtet, darf beruhigt
sein. Das Heck fügt sich nahtlos in die kraftvolle Silhouette ein. Der
Mercedes SLK ist als Hauptkonkurrent zwar auch
nicht hässlich geraten, wirkt aber im direkten Vergleich auf einmal veraltet und
kraftlos. Da müssen die Schwaben noch mal kräftig die Pinsel schwingen, um an
diese Federführung ran zu reichen. Anderseits gab es durchaus schon Stimmen, die
das Design des neuen Z4 zu verspielt fanden. Letzten Endes entscheidet der
Geschmack, und der würde bei mir eindeutig zu Gunsten des Z4 ausfallen.
Und noch eine
große Überraschung. Der Kofferraum des Z4 . In Zahlen ausgedrückt: 310 Liter mit
geschlossenen, respektable 180 Liter mit geöffnetem Dach. Mit passendem Gepäck
sollte einem Urlaubstrip zu zweit nichts im Wege stehen. Dank der Durchlade
lässt sich auch Golfgepäck im Kofferraum verstauen. Und spätestens hier wird
auch der letzte Roadster Fan verstanden haben, der Z4 ist jetzt erwachsen
geworden.
Sound-Fetischisten
dürfen sich beruhigt zurück lehnen. Der derzeit bei Autoherstellern als „Downsizing“
bekannte Virus ließ die Ingenieure kalt und hat den Z4 nicht befallen. Somit
röhrt der neue Z4 zur Markteinführung mit dem BMW typischen Reihensechszylinder
in drei Varianten umher. Als Basis dient der sDrive23i mit 204 PS. Der sDrive30i
entfaltet 258 PS und mit dem sDrive35i (306 PS) liefert BMW die derzeitige
Topmotorisierung. Und genau diesen Prachtmotor galt es im Z4 zu testen.
Der erste
Ausflug ins Innere des Z4 verwöhnt mit exzellenter Haptik und Verarbeitung. Die
sehr bequemen Ledersitze lassen sich optional in jeder erdenklichen Art und
Weise auf den Fahrer abstimmen. Ein Hin- und Herrutschen bei der hastigen
Kurvenhatz wird somit ausgeschlossen. Auch bei geschlossenem Zustand gibt das
Dach ausreichend Freiraum über dem Kopf her. Das I-Drive ist seit seiner
Überarbeitung wirklich gelungen und lässt sich quasi blind bedienen. Nach dem
das I-Phone in der Mittelkonsole mit dem Roadster verbunden wurde bleibt nur
noch der Druck auf den Startknopf.
Kaum erwacht der bassig-sonore Sechszylinder zum Leben geht’s auch schon weg vom
Strand in das Jagdgebiet des Z4, die kurvigen Berge. Und genau hier lässt er
selbst dem skeptischsten Fahrer nichts anderes übrig als Stunden später mit
einem Grinsmuskelkater auszusteigen. Trotz des Mehrgewichts von 185 Kilogramm
gibt sich der bayrische Sportler leichtfüßig wie eine Katze. Bei einem
Leistungsgewicht von 6,8 kg pro kW ist das auch nicht weiter verwunderlich.
Gerade aus der Ortschaft raus knutscht das Gaspedal das Bodenblech des
Roadsters. In nur 5,1 Sekunden spult der Hecktriebler die 100 ab. Gierig
schnellt die Temponadel immer höher und wird dann schlussendlich bei Tempo 250
mit einem Würgehalsband gestoppt. Es gibt sicherlich wichtigeres im Leben, aber
irgendwie wurmt es den vortriebverwöhnten Fahrer dann doch, wenn er zwar mit
einem SLK 350 gleichzieht aber vom
Boxster S frech fröhlich rechts überholt wird..
Die
rallyeerprobten Landstraßen bei Alicante sind geradezu ideal zum Kurvenräubern.
Und der Z4 dürfte sich nicht BMW nennen wenn er das nicht mit Lässigkeit
durchstehen würde. Und das macht er mit permanentem Druck. Ein Drehmoment von
knackigen 400 Nm wird im Bereich zwischen 1.300 und 5.000 Umdrehungen auf die
Hinterachse gefeuert. Schwächeln ist keine Tugend des Z4 sDrive35i.
Das
optionale adaptive Sportfahrwerk bietet jedem Fahrer eine individuelle Härte-
und Traktionsabstimmung. Der Normal-Modus ist im Gegensatz zum Vorgänger
ungewohnt komfortabel und reisetauglich abgestimmt. Das ist durchaus positiv
gemeint.
Ehe jetzt fies
gezüngelt wird, der Z4 sei zum Weichei mutiert…es geht auch anders. Im Modus
„Sport“ geht es straffer, lauter und sportlicher zu, bei Sport+ ist es vorbei
mit der Gemütlichkeit, auch dank der dynamischen Traktionskontrolle. Alternativ
wäre „D“ wie Drecksau ein passender Begriff gewesen, denn hier gibt sich der Z4
freiheitsliebend und gewährt dem Fahrer den einen oder anderen Power Slide.
Allerdings
taugt dieser Modus mehr für den Trip auf der Rennstrecke oder gut ausgebauten
Landstraßen. Viel zu zappelig und unruhig bewegte sich der Hecktriebler auf den
welligen Gebirgskurven Spaniens. Persönliche Favoriteneinstellung war der
Sport-Modus mit abgeschalteter Traktionskontrolle.
In diesem Modus
zuckt und zickt das Heck gerne mal im Rückspiegel und wirft erst sehr spät den
Sicherheitsanker. Der berühmte „Popometer“ keimt dank Heckantrieb und der
tiefen Sitzpositionierung zu Höchstleistungen auf. Jedes noch so kleine Wedeln
wird direkt an den Fahrer übermittelt. Man „fühlt“ den Wagen in jeder Kurve.
Auch die
Lenkung gibt präzise jede noch so kleine Fingerbewegung an die Vorderräder
weiter. Aber nicht nur diese Fingerbewegung darf freudig registriert werden.
Nachdem mich das optionale Direktkupplungsgetriebe von BMW als Schalterfan
bisher nur bedingt begeistern konnte, entpuppte sich eben dieses Getriebe im Z4
als gescheite Alternativlösung zum Handschalter. Mit 9 Litern
Durchschnittsverbraucht liegt das DKG zudem knapp einen halben Liter unter der
handgeschalteten Version.
Im
Z4 bekam das DKG gefühlt die bisher beste Abstimmung verpasst. Ob nun
gemütliches Cruisen am Strand, rasante Beschleunigungsfahrten im S-Modus oder
spaßbringende Kurvenräuberei in Verbindung mit den Schaltwippen, auf 700 km
Testdistanz war das DKG immer sofort präsent. Als kleinen Bonus gibt es dann
hier und da beim Zwischenschalten noch ein rotziges Zwischengasgebell. Eben
dieses Gebell entweicht dem 306 PS starken Reihensechszylinder. Der ist
eigentlich nur mit einem Wort zu beschreiben: Sahne. High Precision Injektion,
Aluminium-Kurbelgehäuse und Twin-Turbo-Aufladung, das hört sich schon ohne
direkte Daten herrlich an. Drei Liter Hubraum geben die Basis.
Zwei
Turbolader, die jeweils drei Zylinder mit komprimierter Luft versorgen bringen
den „Engine of the Year 2007“ förmlich zum Tanzen. Eine perfekte Kombination.
Der Motor des sDrive35i kommt auf eine Leistung von 75,5 kW pro Liter Hubraum.
Das Trägheitsmoment, auch Turboloch genannt, löst sich quasi in Luft auf. Zudem
erfüllt der Motor problemlos die Euro 5 Norm.
Die
Luftverwirbelungen halten sich erstaunlicherweise selbst ohne Windschott in
Grenzen. Bis Tempo 120 ist kaum mehr als ein müdes Lüftchen zu spüren. Erst
danach kommt im Cockpit ein kleiner Wirbelsturm auf. Ist das Windschott
angebracht ist auch Tempo 200 kein Problem mehr.
Großes Lob
bekommt das auch Navigationsdisplay. Selbst bei ungünstigen Lichtverhältnissen
wie direktem Sonneneinfall von hinten, bleibt das Display immer exzellent
ablesbar. Besonders stolz ist BMW auch auf seine neue Art der Routenplanung.
Wer zu den
disziplinierten Vorplanern gehört, kann sich zum Beispiel mittels Google Maps
seine individuelle Route am PC erstellen. Diese wird dann per USB-Stick in das
Navigationssystem integriert und kann fortan als Reiseroute genutzt werden.
Genauso leicht können BMW-Freunde gegenseitig ihre Routen austauschen. BMW hat
hier noch weiteres vor. In der Zukunft sollen BMW-Freunde in einer Community
untereinander Routen austauschen können. Das Internet ist nun endgültig mobil
geworden.
Fazit:
Der Z4 ist erwachsen geworden. Die zickigen Allüren sind ihm weitestgehend
ausgetrieben worden, die neuen Proportionen stehen ihm unwahrscheinlich gut. Das
optionale M-Fahrwerk sollte bei jedermann absolute Priorität in der Optionsliste
genießen. Rangtechnisch ordnet sich der Z4 wie schon zuvor zwischen SLK und
Porsche Boxster ein, wobei die neue Version deutlich alltagstauglicher geworden
ist.
An die
verspielte Perfektion eines
Porsche Boxster S kommt er dennoch nicht ran
und das ist vielleicht sogar gewollt. Außerdem sollte noch ein wenig Luft für
die M-Version – die weiterhin seitens BMW bestritten wird – übrig bleiben.
Interessant wäre es gewesen, einen aktuellen Z4 ohne das optionale M-Fahrwerk
testen zu können. Ob sich der Z4 im deutschen Alltag bei Wind und Regenwetter
genauso gut macht wird sich in einem regionalen und längeren Test erst noch
rausstellen müssen.
Zu guter letzt
darf man noch den Designern des Z4 gratulieren für ihre wunderbare
Interpretation eines markant männlichen Roadsters in der Neuzeit. Und genau
dieser männliche Roadster hat noch ein Geheimnis: Er wurde von zwei Frauen
designt. Im wahrsten Sinne des Wortes also ein echter Lady Lover.
Datenblatt BMW Z4
sDrive35i (DKG)
Hubraum: 2.979
cm³ | 225 kw (306 PS) bei 5.800 U/min | 400 Nm bei 1.300 – 5.000 U/min | Vmax:
250 km/H (abgeriegelt) | Beschleunigung 0- 100 km/h in 5,1 s | Co2 Emission
g/km: 210 g | Durchschnittsverbrauch: 9,0 l/100 km | Preis: ab 47.450, 00 EUR
inkl. MwSt.
Text und Pics:
Mario-Roman Lambrecht
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